Moabit liest!

 

Montag, 27.11.2017

 

 

18:30 Uhr: Susanne Torka präsentiert „Zeitzeugenberichte“ im B-Laden, Lehrter Straße 27–30, 10557 Berlin.

 

Torka liest aus Zeitzeugenberichten über Verfolgung und Deportationen durch die Nazis. Im Frühjahrssemester 2017 der Geschichtswerkstatt Tiergarten haben sich die Teilnehmenden ausführlich mit der jüdischen Geschichte in Berlin beschäftigt. Die beiden Erinnerungsinitiativen „Thomasiusstraße" und „Sie waren Nachbarn" berichteten über den Deportationsweg durch Moabit von der als Sammellager missbrauchten Synagoge in der Levetzowstraße bis hin zu den Militärgleisen. Dort – auf dem Güterbahnhof Moabit – wurde im Sommer 2017 der neue Gedenkort eingeweiht. Außerdem wurden an verschiedenen Orten Stolpersteine verlegt.

 

 

 

 

19 Uhr: Sandra Volkholz präsentiert ihre musikalische Lesung „Tango Intensiv, leidenschaftlich und sinnlich, mehr als nur ein Tanz!“ im Friseursalon von Nicole Scheibal, Calvinstraße 14, 10557 Berlin.

Seine Anfänge finden sich im lasziv-lebenslustigen Rotlichtmilieu der argentinischen Metropole Buenos Aires, wo er als Tanz der compandritos, der Zuhälter entstand. Das Tango-Fieber überfiel zuerst Paris um 1910, dann breitete es sich aus in anderen europäischen Städten und hielt seinen Siegeszug um die ganze Welt. Bis heute sind wir fasziniert von berühmten Tango-Legenden wie Carlos Gardel und Astor Piazzolla. Tango als Symbol von Leidenschaft und Tod – seine Erotik, Melancholie, geheimnisvollen Geschichten - unwiderstehlich!

Lesung und Gesang:  Sandra Volkholz

Akkordeon: Eugen Schwabauer

 

 

 

 

19 Uhr: Jacqueline Jacob und Peter Krüger präsentieren „Lenins Zug: Die Reise in die Revolution“ von Catherine Merridale im Offenen Wohnzimmer der Wilden 13, Waldenser Straße 13, 10551 Berlin.

 

Das Buch erzählt die wohl berühmteste Zugfahrt der Weltgeschichte, an deren Ende das Zarenreich unterging und die Sowjetunion entstand. Als 1917 der Erste Weltkrieg endlos zu werden drohte, beschloss die deutsche Regierung, den Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin nach Russland zu schmuggeln – nicht ahnend, dass Lenins Fahrt in der weltstürzenden Oktoberrevolution münden würde. Spannend schildert Merridale eine Welt, die wir sonst nur aus Spionageromanen kennen: Agenten in teuren Hotels, Diplomaten auf glattem Parkett, debattierende Exil-Revolutionäre in verrauchten Cafés – und draußen auf den Straßen St. Petersburgs marschieren die streikenden Fabrikarbeiter. Sie sind es, die Lenin schließlich jubelnd in einem Meer roter Fahnen in St. Petersburg empfangen. Tag für Tag beschreibt Merridale den Sog der Ereignisse und die Träume und Taten der Menschen, die sie in Gang setzten oder von ihnen mitgerissen wurden. Eine grandiose Erzählung, die den Moment einfängt, als Lenin triumphierte – und eine neue, blutige Ära begann, die für Europa und die Welt bis heute nicht ganz vergangen ist.

Im Rahmen der Reihe: 100 Jahre nach der Russischen Revolution.

 

 

 

 

19:30 Uhr: Elisabeth Göske vom binooki-Verlag liest aus dem Buch „Der Fall Ibrahim“ von Gaye Boralioglu im B-Laden, Lehrter Straße 27–30, 10557 Berlin.          

 

Ibrahim ist spurlos verschwunden. Eine Journalistin und ein Pressefotograf begeben sich auf die Suche nach dem jungen Mann. Sie verfolgen seinen Weg vom Heimatdorf über Antalya und Izmir bis nach Istanbul. 24 Verwandte, Bekannte und Freunde Ibrahims werden befragt: von der abergläubischen Mutter und dem vom Militärdienst ausgebrannten Bruder über die schlaflose Geliebte und den wahnsinnigen Haschischverkäufer bis hin zum skrupellosen Chef und dem geschwätzigen Badediener. Jeder kommt zu Wort und bietet einen ganz eigenen Blick auf den jungen Mann. Stück für Stück setzt sich so ein facettenreiches Bild von Ibrahim zusammen voll von Widersprüchen und gefärbt von den Emotionen der Erzählenden. Die Wahrheit, wenn es sie überhaupt gibt, bleibt verborgen: Die Recherche der Journalistin führt ins Nichts, ihre Ergebnisse werden nicht veröffentlicht. Was bleibt, ist ein 24 Reportagen und Fotografien umfassendes Dossier mit der Aufschrift „Der Fall Ibrahim“, das zwar keinen Aufschluss über den Vermissten gibt, dafür aber ganz nebenbei eine von paternalistischen Ideologien, Gewalt und Missbrauch geprägte Gesellschaft porträtiert.

 

 

 

 

Dienstag, 28.11.2017

 

 

 

 

19 Uhr: Jacqueline Jacob und Peter Krüger präsentieren den Roman „Die Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow im Offenen Wohnzimmer der Wilden 13, Waldenser Straße 13, 10551 Berlin.

 

Der Teufel persönlich stürzt Moskau in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung. Die Heimsuchung für Heuchelei und Korruption trifft alle – ausgenommen zwei Gerechte … Bulgakows Hauptwerk ist, in der Tradition von Goethes „Faust“, Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ und Thomas Manns „Doktor Faustus“ längst ein Klassiker der literarischen Moderne.

Im Rahmen der Reihe: 100 Jahre nach der Russischen Revolution.

 

 

 

 

Mittwoch, 29.11.2017

 

 

19 Uhr: Jacqueline Jacob und Peter Krüger präsentieren das Buch „Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ von Swetlana Alexijewitsch  im Offenen Wohnzimmer der Wilden 13, Waldenser Straße 13, 10551 Berlin.

 

Gut zwanzig Jahre sind vergangen seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums, die Russen entdeckten die Welt, und die Welt entdeckte die Russen. Inzwischen aber gilt Stalin wieder als großer Staatsmann, die sozialistische Vergangenheit wird immer öfter, vor allem von jungen Menschen, nostalgisch verklärt.
Russland, so Alexijewitsch, lebt in einer Zeit des „Second-Hand“, der gebrauchten Ideen und Worte. Die Reporterin befragt Menschen, die sich von der Geschichte überrollt, gedemütigt, betrogen fühlen. Sie spricht mit Frauen, die in der Roten Armee gekämpft haben, mit Soldaten, Gulag-Häftlingen, Stalinisten.

Wer das Russland von heute verstehen will, muss dieses Buch lesen. Alexijewitsch formt aus den erschütternden Erfahrungen von Menschen, die zwischen Neuanfang und Nostalgie schwanken, den Lebensroman einer noch nicht vergangenen Epoche.

Im Rahmen der Reihe: 100 Jahre nach der Russischen Revolution.

 

 

 

 

Donnerstag, 30.11.2017

 

 

 

16 Uhr: Irena Ülkekul liest aus Ihrem Märchenband „Ein glücklicher Mensch: Märchen aus Litauen im Offenen Wohnzimmer der Wilden 13, Waldenser Straße 13, 10551 Berlin.

 

Volksmärchen aus Litauen weisen noch viele Elemente des Heidentums auf, war es doch das zuletzt christianisierte Land in Europa. Es geht um Auseinandersetzungen mit dem Bösen und Unbekannten, um Verarbeitung von Trauer, Ängsten und Tod. Und stets vollbringen Liebe, Geduld, Zuversicht, Mut und der gesunde Menschenverstand große Wunder. Es heißt auch hier: „So ging er in die weite Welt hinaus, um sein Glück zu finden …“ Die Sammlung nimmt den Leser mit in diese Welt - auf die Suche nach dem Glück.

 

 

 

 

Freitag, 1.12.2017: 9. Lange Nacht des Buches in Moabit

 


19:30 Uhr: Die Billinguale Dichtergruppe „Moabiter Dichter“ präsentiert ihren Sammelband „Schloss Moabit IV im Offenen Wohnzimmer der Wilden 13, Waldenser Straße 13, 10551 Berlin.

 

Die Literaturgruppe „Moabiter Dichter" wurde im Jahre 2010 gegründet. Sie hat bereits drei Sammelbände „Schloss Moabit I-III" in deutscher und russischer Sprache veröffentlicht. In diesem Jahr stellt die Gruppe ihren neuen Sammelband „Schloss Moabit IV" unter dem Motto „Berlin und andere Städte der Welt" vor. Es lesen Gabriel Berger, Elena Blockhina, Eugen Denisov, Felix Feldmann, Saadi Isakov, Emanuel John, Polina Khubbeeva, Ralf Landmesser, Boris Schapiro, Martin Thoma und Elena Yamov. Musikalisch begleitet werden sie durch Georg Gabriel Potzies und Martin Thoma. Es moderiert Nora Gaydukova.

 

 

 

 

20 Uhr: Mitja Vachedin liest aus seinem Roman „Engel sprechen russisch“ Leck meine Küche (Freddy Leck sein Waschsalon), Gotzkowskystraße 11, 10555 Berlin.

 

Mitja hat schon drei Leben hinter sich. Er will endlich mal irgendwo ankommen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn das Scheitern in den Genen liegt: Die Babuschka schaffte es statt nach St. Petersburg nur bis zu einem Vorort an der Bahnstation „125 Kilometer“. Der Großvater, einst stolzer Seemann, verkauft nach dem Zerfall der Sowjetunion Pullover von der Motorhaube seines Ladas. Der Vater, ein bärenstarker Mann, greift nach dem Verlust seines Jobs immer öfter zur Flasche. Deutschland erscheint für Mitja und seine Mutter wie das gelobte Land - werden sie dort endlich Wurzeln schlagen können und ihr Glück finden?
Vachedin zeichnet ein Leben nach, in dem die Hoffnung auf Besserung zuverlässig von den Launen des Schicksals durchkreuzt wird, und findet zwischen Traum und Alltagsrealität immer wieder einen Zauber im ansonsten selten zauberhaften Alltag.